ÜBER

„Blicke aus dem Dachfenster“

Anlässlich der Ausstellung „Blicke aus dem Dachfenster“ erschien in der Badischen Zeitung
ein Interview mit Janina Münch (Badische Zeitung vom 24.5. 2023)

 


„Horizonte“

Die folgende Rede wurde von Ulrike Prasch, Kunsthistorikerin und Kunsttherapeutin, bei der Vernissage der Ausstellung „Horizonte“ (26.03 bis 02.06.2019 im ZFP Emmendingen) am 26.3.2019 gehalten.

„Janina Münch wurde in Freiburg geboren, wo sie nach Stationen in den Niederlanden und Berlin wieder gerne hin zurückgekehrt ist und hier lebt und arbeitet. In Berlin studierte Frau Münch künstlerische Therapie an der Artaban Schule, anschließend arbeitete sie als Kunsttherapeutin in der Husemannklinik in Buchenbach, bis sie 2014 in das Zentrum für Psychiatrie Emmendingen wechselte und hier jetzt als Nachfolgerin von Herrn Christoph Fischer in der Kunsttherapiewerkstatt tätig ist.

Malen und Zeichnen ist nicht erst seit gestern Frau Münchs Leidenschaft, schon in der Schulzeit gehörte der Kunstunterricht zu ihrem Lieblingsfach. Ihre Fähigkeiten im Zeichnen vertiefte sie nach der Schule in einem einjährigen Vorstudium an einer Kunstschule in Offenburg. Schon seit Schülerzeiten begleitet der Skizzen- und Zeichenblock die Künstlerin – und dies nicht nur auf Reisen. Hier werden die Menschen und ihr unmittelbares Umfeld festgehalten. Zeichnen bedeutet, seine Umgebung beobachten und wahrzunehmen und dabei einen konzentrierten Blick auf das Geschehen zu haben. Für sich das Wesentliche herauszufiltern, um es dann im Bild festzuhalten.

Das eigentliche freie Malen, also das Ausprobieren ohne Vorlage, hat sich erst – nach den Worten der Künstlerin – nach den verschiedenen Ausbildungsstationen entwickelt. Freies Malen hat auch etwas mit Mut und Erfahrung zu tun. Genauer gesagt mit Empfindungen, Gefühlen, aber auch mit Orten. – Der Ort wo ich bin, der Ort wo ich sein darf und sicherlich auch der Ort, an dem ich arbeite.

Bei Janina Münch verbinden sich gleich zwei Kriterien, einmal der Arbeitsort und zugleich der künstlerische Schaffensort, an dem die meistens ihrer Bilder entstanden sind. Sie hat ihren Arbeitsplatz zu einem kreativen Schaffensort gemacht, hier arbeitet sie als Kunsttherapeutin und als Künstlerin.

Das heißt aber auch, dass die Motive meist nicht mehr im Freien entstehen, sondern vielmehr in der Werkstatt. Inspiriert durch Erinnerungen, die auch Sehnsüchte sein können oder ganz profan nach Fotos und Postkarten, die es in der Werkstatt gibt und dort für alle als Malvorlage zur Verfügung stehen.

Mit dem Prozess des Malens steigert sich der Prozess des Schöpferischen, es entstehen die eigenen Bilder. Diese können aber auch wieder verschwinden, verändert werden, – nie ist das Ziel genau festgelegt, sondern es überwiegt der Moment der Überraschung. Das Besondere an der Werkstatt ist aber auch, dass die Bilder einfach da sind und die Künstlerin täglich umgeben und somit immer die Möglichkeit vorhanden ist, an den Bildern Veränderungen vorzunehmen. Das Arbeitsmaterial, der Pinsel kann also weggelegt werden und ein stiller Prozess des Genießens setzt ein, in dem die Bilder sein dürfen oder auch verändert werden dürfen.

In der Einladung steht, um mit den Worten der Künstlerin zu sprechen: „Malen bedeutet für mich, präsent und aufmerksam für den Augenblick zu sein, wobei gleichzeitig manchmal ein traumähnliches Dahingleiten der Gedanken stattfindet, oft in Wechselwirkungen mit der Farbenwelt oder der Szene, die ich male.“

Doch was ist auf den Bildern abgebildet? … Und mit welchen Materialien arbeitet die Künstlerin?

Programmatisch hat die Künstlerin ihre Ausstellung „Horizonte“ genannt. Der Horizont ist ein weit gefasster Begriff, der aber die Vorstellung von Weite und Unendlichkeit in sich birgt. Bei dem natürlichen Horizont hängt der Verlauf dieser Grenzlinie von Standort und Höhe des Beobachters sowie den örtlichen Gegebenheiten der umgebenden Landschaft ab. Bei der Künstlerin hat der Standort etwas zu tun mit der Verortung im Hier und Jetzt und dem Ort, an dem sie malt, … die Werkstatt. Gleichzeitig bedeutet Horizont aber auch, dass sich hinter dem Horizont ein neuer Raum auftun kann und die Fantasie des jeweiligen Betrachters angeregt werden kann.

Grundsätzlich unterscheiden sich die Bilder dieser Ausstellung in zwei Gruppen, die größeren Bilder, die in der Eitemperatechnik gemalt sind, und die kleineren Aquarellbilder. Erstere sind entstanden in einem größeren Zeitraum von 2015 bis 2018. Es kann sein, dass ein Bild tatsächlich über einen längeren Zeitraum ruht, dies sind nicht Tage, sondern es können auch Wochen oder sogar Monate sein. Es ist die Ruhe, die die Bilder ausstrahlen und gleichzeitig die Ruhe, mit der sie entstanden sind und die auf den Betrachter einwirkt.

Allein die Technik der Eitempera zwingt die Künstlerin zur Langsamkeit, (dafür wird eine Mischung mit Ei, Leinöl, und Wasser mit Farbpigmenten verrieben). Beim Malen muss besonders darauf geachtet werden, dass die darunter liegende Farbe gut getrocknet ist, damit keine Farbe abgetragen wird. Paradoxerweise aber muss der Malprozess schnell erfolgen, weil die Tempera, ganz anders als Ölfarbe, schnell beginnt einzuziehen. Schritt für Schritt, oder besser gesagt Schicht für Schicht, entstehen unter den Händen der jungen Künstlerin Fantasielandschaften, die zum Träumen anregen.

Dabei sind die größeren Eitemperabilder hauptsächlich auf Leinwand entstanden und die Aquarellbilder auf Papier.

Ausgehend von einer Farbgrundierung, lässt sich die Künstlerin leiten durch das, was unter ihren Fingern auf der Leinwand entsteht, ohne ein endgültiges Bild im Kopf zu haben. Erst durch das Auftragen von mehreren Farbschichten manifestiert sich das Dargestellte zu einer möglichen Idee und einer konkreten Vorstellung von Landschaft. Mitunter sind die Landschaften in einem Farbspektrum von Hellblau zu Dunkelblau, Hellgrün zu Dunkelgrün, Gelb, Orange und Rot – gemalt, – nicht knallig, nicht laut, sondern leicht und pastos, fast so als würde das Gemalte hinter einem zarten Schleier weißen Nebels verschwinden. – Es gibt aber auch kraftvollere Bilder, die von Farbigkeit strotzen und durch die Farben durch Eitemperatechnik eine besondere Intensität erlangen.

Die zweite Gruppe von Bildern in dieser Ausstellung sind die Aquarellarbeiten, die im Sozialdienstgebäude hängen. Die Bilder sind ebenfalls in den Jahren 2015-2018 entstanden. Sie stellen vermehrt Landschaften oder Seestücke dar. Bei den Aquarellbildern kann es dem Betrachter so vorkommen, als ob die Künstlerin uns durch die einzelnen Monate des Jahreskalenders führt. Die Landschaften sind von einer besonderen Farbigkeit, in feinen Farbnuancen, fast still, man könnte sagen: wie auf leisen Sohlen verzaubern sie den Betrachter.

Zu den Aquarellbildern gehören auch die Bilder wie der stimmungsvolle „Sonnenuntergang“, „Bäume am Kanal“ oder „Hof auf Hügel“. In manchen Bildern wird es dramatischer, wenn Gewitterwolken am Himmel aufziehen, die Farben dichter werden und die Bewegung an Kraft zunimmt.

Die Künstlerin hat sich auch von dem nordischen Maler Emil Nolde inspirieren lassen, dessen Landschaften von einer explosiven Intensität sprechen. Das Drama hat die Künstlerin angeregt und dann beim Malen gemerkt, dass es – so – dramatisch gar nicht sein muss. Ihre Bilder sind im Vergleich zu ihrem großen Vorbild eher abgemildert und bei aller Thematik von einer besonderen Sanftheit und Stille.

Wie bereits erwähnt nutzt hier die Künstlerin Fotografien als Vorlage, Fotos, die sie ansprechen und deren Stimmung sie versucht in ihrer eigenen Weise wieder zu geben. Die Landschaften zeichnen sich durch eine bestimmte Dramaturgie aus. In den Bildern entsteht etwas Dynamisches, eine Bewegung, die die Künstlerin aufspürt, ihr nachgeht und weiterverfolgt. Aber auch – und dies ist nicht nur aufgrund der Aquarelltechnik, die oft eher etwas Unkonkretes hat, – sondern auch, weil die Künstlerin es so will, bleibt ein Rest von darstellerischer Freiheit, die einlädt etwas Eigenes zu entdecken.

Mit den Worten der Künstlerin möchte ich jetzt meine Rede schließen:

‚Das Schönste ist natürlich, wenn sich in den Bildern auch noch ein Moment von Freiheit befindet, weil etwas Neues entstehen kann, über das ich selber überrascht bin und an dem ich mich erfreuen kann.'“

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